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Katar: Kultur- und Bildungspolitik

11.02.2019 - Artikel

Schwerpunkte der Kulturpolitik 

Schwerpunkte der katarischen Kulturpolitik sind der Bildungssektor, der Sport und in immer stärkerem Maße Museen und Kunst. In diesen Bereichen verfolgt Katar weitreichende Pläne. Die eigene Bevölkerung soll näher an Bildung und Forschung nach westlichen Standards herangeführt und das kulturelle Erbe des Landes und der Region umfassend dokumentiert werden. In letzterem Bereich sind auch zahlreiche deutsche Experten vor Ort beteiligt. Katar fühlt sich der Bewahrung der arabisch-islamischen Traditionen verpflichtet, öffnet sich aber auch regionalen und internationalen Einflüssen. Dies ist auf die starke Vernetzung des Landes als Wirtschaftsstandort und Ausrichter kultureller und sportlicher Großereignisse zurückzuführen. Darüber hinaus trägt die hohe Zahl der in Katar ansässigen ausländischer Arbeitnehmer zur Öffnung bei.

Schulen und Hochschulen 

Katar ist schulisch gut erschlossen. Das Land zeigt jedoch in internationalen Rankings (PISA) ein noch nicht ausgeschöpftes Leistungspotenzial. Es besteht eine allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen. Aus historischen Gründen ist das Schulsystem britisch geprägt. Im öffentlichen Bildungssektor herrscht weitgehend Geschlechtertrennung. In Doha gibt es eine wachsende Zahl ausländischer Privatschulen, die nicht nur der schulischen Betreuung der jeweiligen Ausländergruppen dienen, sondern auch von Kindern dritter Herkunftsländer und katarischen Familien besucht werden. Seit 2008 ist mit der Deutschen Internationalen Schule Doha auch das deutsche Bildungssystem in Katar vertreten. Im Bereich der beruflichen Bildung sind bisher kaum Strukturen vorhanden. Seit dem Schuljahr 2013/14 bietet erstmalig eine katarische Regelschule als PASCH-Schule (PASCH: Partnerschulinitiative) Deutsch als Wahlfach an. Die “Arab-German Young Academy of Sciences” (AGYA) mit Hauptsitz in Berlin bietet ein Austauschformat für deutsche und arabische Jungwissenschaftler aus Katar an. 

Die 1973 gegründete Qatar-University wird von ca. 19.000 Studierenden besucht. Davon sind etwa 70 Prozent Frauen. Etwa jeder dritte Student kam bis zum Ausbruch der Krise aus dem Ausland, insbesondere den Golfstaaten. Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Studierenden inzwischen zurückgerufen und katarische Studenten aus den Nachbarstaaten ausgewiesen. Eine große Zahl katarischer Studenten wird mit Stipendien zum Studium ins Ausland geschickt, insbesondere in die USA, nach Großbritannien und Frankreich sowie nach Australien und Kanada. 2003 wurde das Forschungs-, Lehr- und Technologiezentrum “Education City” eröffnet, in dem u.a. sieben  anglo-amerikanische Universitäten und eine französische Hochschule Fakultäten eingerichtet haben. Dazu gehört auch der “Qatar Science and Technology Park”, in dem mit staatlicher Förderung anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung betrieben wird. Kooperationen gibt es mit den deutschen Hochschulen FU Berlin und ESMT Berlin.

Kultur 

Die katarische Kunstszene ist lebendig und wird zum Teil von gut situierten katarischen Privatsammlern gefördert. Großbritannien, Frankreich, die Türkei  und Indien verfügen über aktive und gut ausgestattete Kulturinstitute. 

Das im November 2008 eröffnete Museum für Islamische Kunst beherbergt eine einzigartige Sammlung und findet weltweit Beachtung. Seit 2017 wird es von einer deutschen Islamwissenschaftlerin geleitet. 2019 wird das neue Nationalmuseum in einem vom französischen Architekten Jean Nouvel konzipierten Neubau wiedereröffnet. Das aus rund 100 ausländischen Musikern bestehende “Qatar National Philharmonic Orchestra” wurde im Oktober 2008 gegründet und steht ebenfalls unter deutschem Management. Das Orchester bestreitet zahlreiche Auslandsreisen. 

Im Jahr 2010 wurde das Doha Film Institut (DFI) gegründet, dessen Mandat in der Förderung einer regionalen Filmlandschaft, junger Regisseure sowie der Ausrichtung von Festivals besteht. Im April 2014 wurde in Kooperation mit diesem Institut erstmalig ein Festival deutschsprachiger Filme in Doha durchgeführt. 

Im Jahr 2013 wurde Katar erstmals ein UNESCO-Weltkulturerbe (Ruinen der Perlenstadt al-Zubarah) zugesprochen. 

Im Jahr 2017 wurde zwischen Deutschland und Katar ein bilaterales Kulturjahr  (Deutsche Saison in Katar) durchgeführt. Die deutschen und katarischen Partner organisierten ein vielseitiges Programm, das katarisches Interesse an deutschen Themen aufgriff und einen gemeinsamen Austausch vor allem in den Bereichen Kunst, Kultur und Sport förderte. Ziel war es, die gesellschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Katar zu stärken sowie Diskurse zu gesellschaftlich-relevanten Themen durch Austausch und Dialog zu ermöglichen. 

Im November 2018 eröffneten der katarische Außenminister Scheich Mohammad Al Thani und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel gemeinsam das katarische Kulturzentrum in Berlin, „Der Diwan – Das arabische Kulturhaus“. Die Räumlichkeiten befinden sich in der historischen Villa Calé im Stadtteil Zehlendorf. 

Sport 

Sport, besonders Fußball, erfreut sich großer Beliebtheit und wird großzügig gefördert. Katar hat sich als Austragungsort für zahlreiche internationale Sportereignisse etabliert. In Doha bestehen mehrere modern ausgestattete Stadien mit umfangreichen Nebeneinrichtungen. Deutsche Experten arbeiten mit am Aufbau einer international anerkannten Fußballliga. Regelmäßig finden große internationale Sportveranstaltungen, wie ATP/WTA-Tennisturniere, Leichtathletik-Grand Prix, Moto-GP, Squash- und Golfturniere, Pferderennen und Segelregatten statt. Eine internationale Sportakademie mit modernsten Anlagen (“Aspire”), darunter die größte geschlossene Mehrzweckhalle der Welt, wurde im Herbst 2004 eröffnet. Die Anlagen werden auch von deutschen Fußballvereinen als Wintertrainingslager genutzt. Katar richtete 2015 die Handball- und 2016 die Straßenrad-Weltmeisterschaft aus, 2019 folgen vom 28. September bis 6. Oktober die 17. Leichtathletik-Weltmeisterschaften. 2019 errang die katarische Fußball-Nationalmannschaft mit der Asienmeisterschaft (FIFA/AFC Asia Championship) ihren ersten internationalen Titel. 2022 wird Katar die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft austragen. Das Eröffnungsspiel findet am 21. November 2022 statt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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